95. Wollen wir andere davon überzeugen, dass ein kleines Detail im Gesetz wie „Sabbat oder Sonntag“ Gottes gerechten Zorn heraufbeschwört (Off 14,9-11), müssen wir selbst gelernt haben, Gottes Gebote im Detail zu halten, weil wir sonst unter dasselbe Urteil fallen.

„Sabbat oder Sonntag“ ist für die Menschheit die endzeitliche Wiederholung der ersten Prüfung „Baum des Lebens oder Baum der Erkenntnis“. So wie Sabbat und Sonntag Nachbartage sind, standen auch der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis beide in der Mitte des Gartens. Die örtliche Entfernung zwischen beiden war nicht groß, ihre Wirkung jedoch lag so weit auseinander wie der Westen vom Osten und der Tag von der Nacht.

Es ist kein Zufall, dass die letzte Prüfung der Menschheit ein äußerlich unbedeutendes, logisch auch nicht nachvollziehbares Detail wie „Sabbat oder Sonntag“ sein wird. Es gibt keinen sinnlich wahrnehmbaren oder rational erkennbaren Grund, warum der eine Tag heilig sein sollte und der andere nicht. Der Unterschied entzieht sich dem menschlichen Urteil – er besteht allein im Wort Gottes und kann nur im Glauben akzeptiert oder im Unglauben abgelehnt werden. Doch so minimal der Unterschied in unseren Augen sein mag, entscheidet er doch über ewiges Leben oder ewigen Tod.

Und das ist die „Moral der Geschichte“ von 6 000 Jahren menschlichen Leidens unter den Folgen einer Banalität, deren einziges Problem darin bestand, dass Gott sie verboten hatte. 6 000 Jahre unerbittliche Lebensschule. Haben wir die Lektion gelernt? Verstehen wir, dass ein minimaler Unterschied über Leben und Tod entscheiden kann, und zwar absolut zu Recht? Haben wir erkannt, dass es ein Beweis sowohl Seiner Gerechtigkeit als auch Seiner grenzenlosen Liebe ist, dass Gott nichts weniger als sittliche Vollkommenheit in den Himmel einlässt und nur ihr wieder Zugang zum Lebensbaum gewährt?

Meine Hoffnung und mein Gebet sind, dass die Zeit kommt und schon da ist, dass wir die Lektion verstehen und in festem Glauben und Vertrauen die Verheißung ergreifen, dass, wenn unser himmlischer Vater heilig, vollkommen und rein ist, es ein geistliches Naturgesetz ist, dass Seine Kinder dieselben Eigenschaften von Ihm erben.

1Pe 1,16 Seid heilig, denn ich bin heilig.

Mt 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

1Joh 3,3 Jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist.

MYP 144 Selbst die längste Reise besteht aus einzelnen Schritten. Ein Schritt nach dem anderen bringt uns an das Ende der Straße. Auch die längste Kette ist aus einzelnen Gliedern zusammengesetzt. Ein einziges mangelhaftes Glied macht die ganze Kette wertlos. So ist es auch mit dem Charakter. Ein wohlausgewogener Charakter entsteht durch einzelne, gut ausgeführte Taten. Ein einziger Fehler, dem man nachgibt, statt ihn zu überwinden, macht den Menschen unvollkommen und verschließt ihm die Tore der Heiligen Stadt. Wer den Himmel betritt, muss einen Charakter ohne Flecken oder Runzel oder dergleichen besitzen. Nichts Unreines kann je dort hineinkommen. In der gesamten Schar der Erlösten wird nicht ein Mangel zu sehen sein. (vgl. RJ 90)

YI, 18.8.1886 Es wird keine halbgewaschenen Gewänder geben – alle werden rein und fleckenlos sein.

1Thess 5,23 Er selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch völlig; und vollständig möge euer Geist und Seele und Leib untadelig bewahrt werden bei der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus!

24 Treu ist, der euch beruft; er wird es auch tun.


Der HERR segne Dich und einen jeden von uns auf unserer herausfordernden und gleichzeitig wunderbaren und hoffnungsfrohen Pilgerreise in die Ewigkeit!

93. Wollen wir andere dazu auffordern, „Gott zu fürchten“, „ihm die Ehre zu geben“ und ihn als Schöpfer „anzubeten“ (Off 14,7), muss sich unsere eigene Gottesfurcht in Gehorsam zeigen, müssen wir ihn in allen Lebensbereichen ehren und unseren Glauben an eine vollkommene Schöpfung der Welt in sechs Tagen darin beweisen, dass wir keinen Zweifel an einer vollkommenen Neuschöpfung des Menschen in seiner Lebenszeit haben.

Die drei abschließenden Thesen sollen einen sehr zentralen Punkt deutlich machen: Als Siebenten-Tags-Adventisten können wir unsere eigentliche Mission, das „ewige Evangelium“ der dreifachen Engelsbotschaft allen Menschen auf diesem Planeten zu verkündigen, nur dann vollmächtig und endgültig erfüllen, wenn wir die gute Nachricht der vollkommenen Gerechtigkeit Christi, die im Sünder eine völlige Verwandlung und vollständigen Gehorsam bewirkt, im Glauben annehmen und im Heiligen Geist ausleben. Unser gesamtes Lehrgebäude macht nur Sinn, wenn es die Vollkommenheit Gottes, Seines Gesetzes und Seiner Erlösung ohne Abstriche anerkennt. Tun wir dies nicht, verstricken wir uns dogmatisch in innere Widersprüche, und unsere Verkündigung wird ebenso wie unser Leben einen spürbaren Mangel an geistlicher Vollmacht offenbaren. Wir können nicht Zeugen für Gottes unendliche Liebe und die unantastbare Heiligkeit aller Seiner Ordnungen sein, wenn wir nicht selber in Wort und Tat die uneingeschränkte Gerechtigkeit Seines Gesetzes hochhalten – durch makellosen Gehorsam wie einst ein Henoch, Elia und Daniel.

Denn ebendas ist die tiefste Bedeutung von „Gott fürchten, ehren, anbeten“. Es ist Respekt, Bewunderung, Begeisterung, Liebe, Nachahmung, Eifer, Ehrfurcht – sich in der Betrachtung von Gottes Persönlichkeit und Wesen zu verlieren, bis man sich selbst vergisst und nur noch Christus in einem lebt (Gal 2,20). Und wenn Christus – der Vollkommene – Sein Leben in dir und durch dich führt, dann ist dein Leben vollkommen. Lernen wir und beten wir darum, uns in Ihm zu verlieren!

Wenn wir die erste Engelsbotschaft lesen, stellt sich die Frage: Wo ist in „Gott fürchten, ehren, anbeten“ und der „Stunde des Gerichts“ das Evangelium? Die gute, tröstliche, mächtige Nachricht besteht darin, dass dieser Gott sich als der Schöpfer Himmels und der Erde vorstellt. Er hat alles Sichtbare hervorgebracht, Belebtes wie Unbelebtes, Hohes und Tiefes, Kleines wie Großes – und das sogar „aus nichts“, einfach durch Sein Wort. So mächtig ist Er! Und diese Macht bietet Er an, zu unseren Gunsten noch einmal auszuüben – indem Er noch einmal spricht, um uns neuzuschaffen. Es gibt keine größere Macht im Universum als dieses Wort. Und es gibt keine größere Liebe und kein tieferes Mitgefühl für uns Sünder und unsere ganz persönlichen Nöte, als diesen Herrn, der mit Seinem eigenen Blut sich das Recht erwarb, die schöpferische Macht Seines Wortes für uns einzusetzen.

Es ist alles bereit, es ist für alles gesorgt. Glauben wir Ihm doch und bitten kindlich um diese Neuschöpfung – gerade wir, die wir doch Sabbat für Sabbat unseren Glauben an Seine Schöpfermacht bekennen und uns daran erinnern! Wenn in diesem Punkt unser Glauben nicht tiefer geht und mehr von Gott erwartet und erbittet als der Rest der Christenheit, wozu sind wir als Gemeinde dann da? Nur um einen Sabbat in der Theorie hochzuhalten, weil wir erkannt haben, dass die Zehn Gebote noch gültig sind? Wenn wir wirklich erkannt haben, „wie wir erkennen sollen“ (1Kor 8,2), dann kann „Anbetung des Schöpfers“ nur bedeuten, dass wir Ihm alles zutrauen – umso mehr, wo Er es doch ausdrücklich versprochen hat.

Jes 51,1 Hört auf mich, die ihr der Gerechtigkeit nachjagt, die ihr den HERRN sucht! Blickt hin auf den Felsen, aus dem ihr gehauen, und auf den Brunnenschacht, aus dem ihr gegraben seid!

2 Blickt hin auf Abraham, euren Vater, und auf Sara, die euch geboren hat! Denn ich rief ihn als einen einzelnen, und ich segnete ihn und mehrte ihn.

3 Denn der HERR tröstet Zion, tröstet alle seine Trümmerstätten. Und er macht seine Wüste wie Eden und seine Steppe wie den Garten des HERRN. Jubel und Freude findet man darin, Lobpreis und Stimme des Gesanges.

88. Die Frucht wahrer Rechtfertigung ist wachsende Übereinstimmung mit Gottes Geboten, die Frucht falscher Rechtfertigung wachsende Freizügigkeit gegenüber Gottes Geboten.

Jes 8,20 „Zum Gesetz und zum Zeugnis!“ – wenn sie nicht so sprechen, gibt es für sie kein Morgenrot.

Ps 119,97 Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag.

FW 52 Wahrer Glaube verlässt sich ganz auf Christus, was die Erlösung angeht, doch führt er auch zu vollkommener Übereinstimmung mit Gottes Gesetz. (vgl. GW 50)

RH, 22.4.1902 Wer das Evangelium annimmt, … erhält Anteil an der göttlichen Natur und wächst mehr und mehr zu einem Abbild seines Heilands. Schritt für Schritt geht er in Übereinstimmung mit Gottes Willen voran, bis er Vollkommenheit erreicht.

Jesu zusammenfassende Worte bei der Bergpredigt werden in ihrem wahren Gewicht oft nicht erkannt:

Mt 7,24 Jeder nun, der diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, der sein Haus auf den Felsen baute;

25 und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus; und es fiel nicht, denn es war auf den Felsen gegründet.

26 Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, der wird mit einem törichten Mann zu vergleichen sein, der sein Haus auf den Sand baute;

27 und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, und sein Fall war groß.

Der „Fall“ des törichten Mannes ist deshalb „groß“, weil er unerwartet kommt und dennoch endgültig ist. Dieses Bild beschreibt die endzeitliche Sichtung unserer Gemeinde. Der törichte Mann hat allem Anschein nach alles, was einen Christen ausmacht – das ganze Gebäude ist vorhanden, nicht anders als beim klugen Mann. Der einzige, aber entscheidende Unterschied ist das im Erdboden verborgene und für menschliche Augen unsichtbare Fundament.

Der törichte Mann ist ein Scheinchrist oder Scheinadventist, der sich auf eine Glaubenslehre und ein „Evangelium“ verlassen hat, das auch ohne „ein Leben beständigen Gehorsams“ (LJ 666) auskommt. Er hat nie verstanden, dass Gott „vollkommene Übereinstimmung mit Gottes Gesetz“ von uns erwartet und dass Christus genau dies in uns bewirkt, wenn wir uns in „wahrem Glauben ganz auf Ihn verlassen“ (FW 52). Diese sittliche Vollkommenheit wiederherzustellen, ist das lebenslange Werk unserer Heiligung. Und sie geschieht nicht in der Selbstbeobachtung, sondern im Hinschauen auf unseren wunderbaren Erlöser; nicht aus eigener Kraft, sondern aus der Tote auferweckenden Kraft des Heiligen Geistes.

Dieses ewige und einzige Evangelium – Vollkommenheit durch Christus – wird überall in der Bibel beschrieben, aber wir haben offensichtlich gelernt, es systematisch zu übersehen oder als bloße „Zurechnung“ wirkungslos zu machen. Ein paar Beispiele aus dem Neuen Testament:

Eph 4,11 Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer,

12 zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi,

13 bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi.

Phil 1,9 Um dieses bete ich, dass eure Liebe noch mehr und mehr überreich werde in Erkenntnis und aller Einsicht,

10 damit ihr prüft, worauf es ankommt, damit ihr lauter und unanstößig seid auf den Tag Christi,

11 erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, die durch Jesus Christus gewirkt wird, zur Herrlichkeit und zum Lobpreis Gottes.

Kol 4,12 Es grüßt euch Epaphras, der einer der Euren ist, ein Knecht des Christus, der allezeit in den Gebeten für euch kämpft, damit ihr fest steht, vollkommen und zur Fülle gebracht in allem, was der Wille Gottes ist.

Jak 1,2 Meine Brüder, achtet es für lauter Freude, wenn ihr in mancherlei Anfechtungen geratet,

3 da ihr ja wisst, dass die Bewährung eures Glaubens standhaftes Ausharren bewirkt.

4 Das standhafte Ausharren aber soll ein vollkommenes Werk haben, damit ihr vollkommen und vollständig seid und es euch an nichts mangelt.

So oft hören wir (und so viele glauben es), vollständiger Gehorsam sei unmöglich, solange wir unsere gefallene Natur besitzen. Dabei wird auch gerne auf die berühmte Generalkonferenz von Minneapolis verwiesen, wo nach heutigem Verständnis erfolglose Versuche, das Gesetz zu halten („Gesetzlichkeit“), von der „Gnade“ der Vergebung und dem „Glauben“ an Jesu stellvertretenden Gehorsam abgelöst wurden. Nun waren Gnade und Glaube tatsächlich zentrale Themen von Jones und Waggoner, allerdings in einem ganz anderen Sinn, als sie heute definiert werden. Um einen kleinen Einblick zu geben, was auf dieser Generalkonferenz wirklich gepredigt wurde, gebe ich hier einen Ausschnitt aus einer Ansprache wieder, die Ellen White dort am 20. Oktober 1888 hielt:

1888M 122 Worüber ich sprechen möchte, ist, wie man im Glaubensleben Fortschritte machen kann. Ich höre viele Ausflüchte: „Ich kann dies und jenes nicht ausleben.“ Was meinst du mit „dies und jenes“? Willst du sagen, das auf Golgatha für die gefallene Menschheit gebrachte Opfer sei unvollkommen gewesen, und uns sei nicht ausreichend Gnade und Kraft zur Verfügung gestellt worden, um entgegen unseren natürlichen Mängeln und Neigungen zu handeln – dass uns ein unvollständiger Erlöser gegeben worden sei? Willst du Gott die Schuld geben?

„Nun“, erwiderst du, „es war Adams Sünde.“ Du sagst: „Es war nicht meine Schuld; ich bin für seine Schuld und seinen Fall nicht verantwortlich. Jetzt sind all diese natürlichen Neigungen in mir, und ich kann nichts dafür, wenn ich diese natürlichen Neigungen auslebe.“ Wer dann? Gott vielleicht? „Warum hat Gott zugelassen, dass Satan so viel Macht über die menschliche Natur bekam?“

Dies sind Anklagen gegen den Gott des Himmels, und wenn du willst, wird er dir am Ende Gelegenheit geben, deine Anklagen gegen ihn vorzubringen. Wenn du dann vor seinem Gericht stehst, wird er seine Anklagen gegen dich vorbringen. Wie kommt es, dass sein Plädoyer lautet: „Ich kenne all die Übel und Versuchungen, die euch bedrängen, und ich habe meinen Sohn Jesus Christus in eure Welt gesandt, um euch meine Macht, meine Stärke zu offenbaren; um euch zu zeigen, dass ich Gott bin und euch helfe, damit ihr aus dem Machtbereich des Feindes herausgenommen werdet und die Möglichkeit erhaltet, das sittliche Bild Gottes zurückzugewinnen.“

Beachten wir, was Ellen White hier (und generell) unter einem „vollkommenen Opfer“ und „vollständigen Erlöser“ versteht: dass wir durch Jesu Verdienste und Vermittlung sowohl völlige Vergebung als auch völlige sittliche Wiederherstellung (= Vervollkommnung) erfahren, allen natürlichen Neigungen zum Trotz. Die Vollkommenheit des Erlösungsplanes beweist sich in unserem vollständigen Gehorsam – dass alles, was Gott von uns erwartet, wir in Seiner Kraft und durch die lebendige Verbindung mit Christus auch erfüllen können.

Dass uns dies oft nicht so gelingt, wie wir es wünschen, soll uns nicht entmutigen! Dazu sind wir in Christi Schule: um von Ihm zu lernen, wie wir durch Seine Gnadengaben den Sieg erringen können. Die großartigen Verheißungen unserer Vervollkommnung sind nicht als „Druck“ gedacht, sondern als starke Zusicherung, dass wir nicht einem Phantom nachjagen, wenn wir uns in diesen Glaubenskampf begeben. Die Gewissheit, dass der Herr Sein Wort unbedingt an uns erfüllen wird, wenn wir nur im Vertrauen an Ihm festhalten, soll uns die innere Stärke verleihen, auch in schwierigen Situationen nicht den Mut zu verlieren, sondern mit Paulus zu sagen:

Phil 3,12 Nicht, dass ich es schon ergriffen habe oder schon vollendet bin; ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, weil ich auch von Christus Jesus ergriffen bin.

13 Brüder, ich denke von mir selbst nicht, es ergriffen zu haben; eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten, strecke mich aber aus nach dem, was vorn ist,

14 und jage auf das Ziel zu, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christus Jesus.

Der Geist der Weissagung bringt uns immer wieder viel Ermutigung in dieser Hinsicht:

Mar 227 Tag für Tag soll unsere geistliche Liebenswürdigkeit wachsen. Unsere Bemühungen, das göttliche Vorbild nachzuahmen, werden oft nicht gelingen. Wir werden uns oft beugen müssen und zu Jesu Füßen weinen wegen unseres Zukurzkommens und unserer Fehler. Aber wir sollen nicht den Mut verlieren, sondern noch inniger beten, fester glauben und noch entschiedener erneut versuchen, in das Bild des Herrn zu wachsen. Wenn wir unserer eigenen Kraft misstrauen, werden wir der Macht unseres Erlösers vertrauen.

1TT 441f. Gott ist heute noch genauso mächtig, von Sünde zu retten, wie zur Zeit der Patriarchen, Davids, der Propheten und Apostel. Die unzähligen Begebenheiten der heiligen Geschichte, wo Gott sein Volk von ihren eigenen Bosheiten erlöste, sollten heutige Christen inspirieren, göttliche Weisung anzunehmen und fleißig einen Charakter zu vervollkommnen, der die gründliche Untersuchung vor Gericht bestehen wird.

Die biblische Geschichte stärkt das verzagte Herz mit der Hoffnung auf Gottes Erbarmen. Wir brauchen nicht zu verzweifeln, denn wir sehen, wie andere sich durch ähnliche Entmutigungen gekämpft haben, wie sie ebenso in Versuchungen gefallen sind wie wir und trotzdem den verlorenen Boden wiedergutgemacht haben und von Gott gesegnet worden sind. Die inspirierten Worte trösten und ermuntern die irrende Seele.

Obgleich die Patriarchen und Apostel auch nur schwache Menschen waren, erhielten sie durch den Glauben doch ein gutes Zeugnis, schlugen ihre Schlachten in der Stärke des Herrn und siegten glänzend. Wir dürfen deshalb der Kraft des sühnenden Opfers vertrauen und im Namen Jesu Überwinder sein. (vgl. 1Sch 404)

87. Liebe zu Jesus bewirkt immer eine tiefe Sehnsucht, gänzlich frei von Sünde zu werden und ein Leben beständigen Gehorsams zu führen, im Einklang mit Ihm.

Ps 97,10 Die ihr den HERRN liebt, hasst das Böse!

Amos 3,3 LUT Können etwa zwei miteinander wandern, sie seien denn einig untereinander?

Joh 14,15 Liebt ihr mich, so haltet meine Gebote!

TSB 135 Wenn du zu Jesus kommst und in demütiger Reue deine Sünden bekennst, wird Er dir deine Sünden vergeben und dich von jeder Ungerechtigkeit reinigen. Erst wenn du die Sünde hasst und Reinheit, Wahrheit und Gerechtigkeit liebst, kannst du von der Sünde lassen.

BE, 1.11.1893 Wer gerettet werden will, muss seinen Blick auf Jesus halten. Indem er Christus betrachtet, lernt er, die Sünde zu hassen, die seinem Erlöser Leid und Tod gebracht hat. Im Anschauen wird sein Glaube stark, und er lernt „den einzig wahren Gott und Jesus Christus, den Er gesandt hat“, kennen. Der Sünder sieht Jesus, wie Er ist – voller Mitgefühl und zärtlicher Liebe –, und indem er die Offenbarung Seiner großen Liebe zum gefallenen Menschen im Leiden auf Golgatha betrachtet, wird sein Charakter verwandelt.

DA 668 Wenn wir Gott so kennen, wie es unser Vorrecht ist, werden wir ein Leben beständigen Gehorsams führen. Weil wir Christi Charakter so wertschätzen und Gemeinschaft mit Gott haben, werden wir die Sünde hassen. (vgl. LJ 666)

AG 294 Durch Anschauen werden wir verändert werden, und wenn wir über die Vollkommenheit des göttlichen Vorbilds nachdenken, wird der Wunsch da sein, vollständig umgewandelt zu werden, erneuert im Bild seiner Reinheit. Durch den Glauben an den Sohn Gottes wird der Charakter verwandelt, und aus dem Kind des Zorns wird ein Kind Gottes.

76. Die oft gestellte Frage „Hast du Heilsgewissheit?“ offenbart ein mangelhaftes Verständnis vom Evangelium.

Ich denke mittlerweile, dass diese These zu pauschal formuliert ist – sollte ich jemanden dadurch verletzt haben, möchte ich mich herzlich entschuldigen. Bitte verstehe diese These so, als wäre hinter „offenbart“ ein „nicht selten“ eingefügt. Das zumindest ist meine Beobachtung: Es gibt so viele unterschiedliche Vorstellungen davon, was „Heil“ und was „Gewissheit“ ist, sowohl bei den Rednern als auch den Zuhörern! Ein so missverständlich oder subjektiv gebrauchter Begriff kann eigentlich nur Verwirrung stiften oder für peinliche Situationen bei den Gefragten sorgen – wer möchte sich schon öffentlich in eine Lage bugsiert sehen, wo er offenbar „keine Heilgewissheit“ hat …?!

Ein ehrwürdiger adventistischer Seelsorger zum Beispiel „erklärte“ mir als jungem Mann mit seiner ganzen eminenten Autorität, die Frage nach meiner Heilsgewissheit müsse ich genauso spontan und unzweifelhaft beantworten können wie die Frage, ob ich heute gefrühstückt hätte. Ein anderer Prediger, den ich sehr für seine Treue schätze, sagte von der Kanzel, wir dürften „Heilsgewissheit“ haben, aber nicht „Heilssicherheit“. Ein dritter, von mir nicht minder respektierter Redner erklärte, „Heilsgewissheit“ würde immer nur „für heute“ gelten. Hinter solchen Aussagen steckt für mich so etwas wie die Quadratur des Kreises: der Versuch, den Geschwistern etwas sicher zuzusprechen (Heil), was andererseits doch noch nicht endgültig ist, weil wir als Adventisten nicht an „Einmal gerettet, immer gerettet“ glauben – von diesem Extrem wollen wir uns abgrenzen, aber trotzdem an der „Gewissheit“ festhalten, was zu „interessanten“ Erklärungen führt.

Nun möchte ich deutlich sagen, dass ich die gute und seelsorgerliche Motivation hinter solcherart Zuspruch an die Geschwister verstehe und voll anerkenne. Ich möchte auch niemandem einen Vorwurf machen und keinerlei Urteil über Personen aussprechen. Es geht mir um die Sache selbst und um unsere Gemeinden, denn ich sehe das große Problem, dass diese Art Trost der eigentlichen Not nicht abhilft – weil es nicht der Weg ist, auf dem Gott tröstet und festigt.

Seien wir mal so „kühn“ und schauen der Wahrheit ins Auge: Wir sind noch nicht endgültig errettet, und deswegen ist unser Heil auch noch nicht „gewiss“. Diese Feststellung hat aber rein gar nichts mit der Vorstellung zu tun, wir müssten nun den Rest unserer Tage in „Furcht und Zittern“ verbringen! Hier existiert einfach eine gesunde Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“. Unser Leben ist voll von solchen gesunden Spannungen, von scheinbaren Gegensätzen, die sich zu etwas Gutem ergänzen. Und im Erlösungsplan ist es nicht anders. Unsere Errettung hat einen Anfangs- und einen Endpunkt, und dazwischen liegt ein Prozess. Dies ist eine gesunde, gottgewollte Spannung, und wir brauchen weder zu versuchen, sie zu beseitigen, noch uns dafür vor anderen zu entschuldigen. Die Bibel veranschaulicht diese drei Elemente (Anfang, Prozess, Ende) in zahlreichen Bildern, z. B.

  • vom Weizenkorn, das (1) keimt, (2) wächst und (3) eine volle Ähre hervorbringt;
  • vom Menschen, der (1) geboren wird, (2) wächst und (3) eines Tages ausgewachsen ist;
  • vom Mehl, das (1) Sauerteig aufnimmt und (2) allmählich gesäuert wird, bis (3) alles durchsäuert ist;
  • vom Wettlauf, der aus (1) dem Start, (2) dem eigentlichen Lauf und (3) der Zielüberquerung besteht;
  • vom Tempel der Gemeinde, der (1) Fundament und Eckstein bekommt, (2) dann aufgebaut wird und (3) am Ende den Schlussstein erhält;
  • und auch die drei Abteile (1) Vorhof, (2) Heiliges und (3) Allerheiligstes im Heiligtum repräsentieren diesen Prozess.

Ich werde gleich noch genauer auf biblische „Heilsgewissheit“ (wenn man es so nennen möchte) eingehen. Aber an dieser Stelle möchte ich den obigen Satz ergänzen und eine Art Gleichgewicht herstellen: Wir sind noch nicht endgültig errettet, aber Gott hat die besten aller nur denkbaren Voraussetzungen dafür geschaffen, dass es einmal so sein wird. Diese „besten aller nur denkbaren Voraussetzungen“ sind in einer Person fokussiert: Immanuel („Gott ist mit uns“), Jesus („Retter von Sünde“), Christus in uns (der Grund für unsere „Hoffnung auf die ewige Herrlichkeit“).

69. Ein Mittlerdienst, der immer wieder Vergebung bietet, jedoch keine vollständige Heiligung, würde die Sünde verlängern statt wegnehmen und Christus zu einem „Diener der Sünde“ (Gal 2,17) machen. „Gehorsam ist besser als Schlachtopfer“! (1Sam 15,22)

Im Galaterbrief schreibt der Apostel:

Gal 2,17 Wenn aber auch wir selbst, die wir in Christus gerechtfertigt zu werden suchen, als Sünder befunden wurden – ist dann also Christus ein Diener der Sünde? Das ist ausgeschlossen.

Der Begriff „Diener“ bezieht sich auf Jesu Dienst als Hohepriester im Heiligtum. Paulus stellt damit die unausgesprochene Frage vieler damaliger Juden an den „neuen“ Christusglauben: „Wenn ihr sagt, dass ihr vor Gott ebenso Sünder seid wie die Heiden, und euch statt auf Gesetzesgehorsam auf Christus beruft, wird dann der Glaube nicht zum Ersatz für Gehorsam? Wird nicht der Mittlerdienst Jesu zu einer Einrichtung für straffreies Sündigen?“ Paulus weist diese Möglichkeit entschieden von sich und antwortet: „Ausgeschlossen!“ (ELB) oder, wie viele andere Bibeln übersetzen: „Das sei ferne!“

Dieselbe entschiedene Ablehnung gilt auch heute. Der Erlösungsplan ist keiner Weise dazu gedacht, Gesetzesübertretung zu erleichtern, indem die Folgen vom Übertreter ferngehalten werden, sondern hat in jeder Hinsicht den Zweck, die Sünde mitsamt ihren furchtbaren Konsequenzen wirksam und auf ewig zu entfernen. Viele Textstellen der Heiligen Schrift bezeugen dies:

3Mo 16,30 Denn an diesem Tag [Versöhnungstag] wird man für euch Sühnung erwirken, um euch zu reinigen: von all euren Sünden werdet ihr rein sein vor dem HERRN.

Ps 17,3 Du hast mein Herz geprüft, mich in der Nacht durchforscht; du hast mich geläutert, und du hast nichts gefunden, worin ich mich vergangen hätte mit meinen Gedanken oder mit meinem Mund.

Jes 1,18 Kommt denn und lasst uns miteinander rechten! spricht der HERR. Wenn eure Sünden rot wie Karmesin sind, wie Schnee sollen sie weiß werden. Wenn sie rot sind wie Purpur, wie Wolle sollen sie werden.

Jer 50,20 In jenen Tagen und zu jener Zeit, spricht der HERR, wird Israels Schuld gesucht werden, und sie wird nicht da sein, – und die Sünden Judas, und sie werden nicht gefunden werden; denn ich will denen vergeben, die ich übriglasse.

Joh 1,29 Am folgenden Tag sieht Johannes Jesus auf sich zukommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!

1Joh 3,5 Und ihr wisst, dass er geoffenbart worden ist, damit er die Sünden wegnehme; und Sünde ist nicht in ihm …

8 Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel, denn der Teufel sündigt von Anfang an. Hierzu ist der Sohn Gottes geoffenbart worden, damit er die Werke des Teufels [die Sünde] vernichte.

Off 7,14 Diese sind es, die aus der großen Bedrängnis kommen, und sie haben ihre Gewänder gewaschen und sie weiß gemacht im Blut des Lammes.

Off 14,5 Und in ihrem Mund wurde kein Falsch gefunden; sie sind untadelig.

Viele haben ungefähr folgende Vorstellung von Rettung: Der Sünder kommt zu Jesus, empfängt im Glauben vollständige Vergebung und ist nun „ein erlöstes Gotteskind“. Dann folgt, weil sie „irgendwie dazugehört“, die Heiligung – das Bemühen um ein besseres Leben, das mit wechselndem, aber insgesamt doch mäßigem Erfolg mehr schlecht als recht verläuft, weswegen man auch als Gläubiger eigentlich ständig von der Vergebung lebt, die im Heiligtum glücklicherweise grenzenlos zur Verfügung steht. Wer auf diese Weise bis zum Schluss „am Glauben festhält“, empfängt bei der Versiegelung / Verwandlung / Auferstehung schlagartig ein absolut makelloses, vollkommenes Wesen und wird ab diesem Zeitpunkt bis in alle Ewigkeit nie wieder Gottes Gebote übertreten.

Wäre dieses Szenario biblisch, müsste man sich fragen, warum in Gottes Drei-Schritte-Heilsplan „Vergebung – Heiligung – Verwandlung“ Schritt 1 und 3 (Vergebung und Verwandlung) auf Anhieb so tadellos funktionieren, Schritt 2 (Heiligung) dagegen sichtbar und spürbar „lahmt“. Fraglich wäre weiterhin, warum Schritt 2 obligatorisch ist („ohne Heiligung wird niemand den Herrn schauen“; Heb 12,14), wenn es doch viel effektiver wäre, den ausgesprochen erfolgreichen Schritt 3 der Verwandlung vorzuziehen und damit nicht nur dem Gläubigen lebenslange Mühen zu ersparen, sondern auch der Welt ein unbestreitbares Zeugnis der erlösenden Kraft Gottes zu geben. Ein Heilsweg in zwei Schritten, wo der Vergebung (Bekehrung) unmittelbar die Verwandlung folgt, würde unzählige Sünden gläubiger Menschen verhindern, allen Beteiligten viel Leid ersparen und den Heiligtumsdienst Jesu deutlich vereinfachen …

Zurück zur biblischen Realität. Es gibt keine Abkürzung zum Heil und zur Vollkommenheit. Der Erlösungsplan und Jesu himmlischer Heiligtumsdienst sind, so wie sie sind, optimal und unverbesserlich. Sie tragen die göttliche Handschrift des Einen, dessen Werke alle vollkommen sind. Alle drei Schritte des Erlösungsplanes sind gleichermaßen wirksam und gleichermaßen unverzichtbar. Es ist nicht Gottes Heiligung, die „lahmt“, sondern unser Glaube, sie zu ergreifen, unsere Einsicht, ihre Notwendigkeit zu erfassen, und auch unser Verständnis dafür, wie sie überhaupt zu erlangen ist.

1Sam 15,22 Gehorsam ist besser als Schlachtopfer.

Ich wünschte, wir würden diesen kurzen Satz tief verinnerlichen, denn er weist auf etwas äußerst Wesentliches hin: Das Ziel des Heiligtumsdienstes ist nicht Vergebung („Schlachtopfer“) als Dauerzustand, sondern Gehorsam als Dauerzustand. Jesu Leben und Sterben hatten den Zweck, für unseren Ungehorsam zu bezahlen und unseren Gehorsam zu ermöglichen. Jesu Mittlerdienst im Himmel dient dazu, uns willigen Gehorsam zu schenken und ihn in uns zu festigen. Wenn uns dieser Gehorsam in Fleisch und Blut übergangen ist – der Heilige Geist das Gesetz Gottes in Herz und Sinn geschrieben hat –, dann ist endgültig das „gesühnt“, „weggenommen“ und „vernichtet“, was die Schleusentore des Elends für diese Welt geöffnet hat: der menschliche Ungehorsam, die Sünde. Dann ist die ursprüngliche Vollkommenheit des Menschen – und des Universums – wiederhergestellt. Dass wir am Ende auch noch einen neuen, unsterblichen Körper erhalten (die Verwandlung), ist dann nur noch das (vegane) „Sahnehäubchen“.

57. Allein der Glaube an das nackte Wort Gottes, selbst gegen alle Erfahrung, verschafft dem Menschen Eingang ins Himmelreich. Das war der Glaube von Abraham, Jesus und Luther, und dies wird auch der Glaube „der Übrigen“ sein, „welche die Gebote Gottes halten“ (Off 12,17).

Es ist schon rätselhaft, dass wir so unbeirrt lieber unsere eigene Erfahrung rechtfertigen, statt Gottes Rechtfertigung zu erfahren. Das ist „empirische Theologie“ in direktem Gegensatz zum Glaubensvorbild Abrahams und die Essenz des „Menschen der Sünde“ (2Thess 2,3), der, statt sich selbst zu ändern, lieber Gottes Maßstab für Gerechtigkeit (= das Gesetz) ändert. In gewisser Hinsicht ist das Papsttum weit weg in Rom, was es leicht macht, Vorträge über Daniel 7 und 8 zu halten und etwa die katholische Veränderung der Zehn Gebote aufzudecken. Bei genauerer Betrachtung aber steckt in jedem von uns die gleiche Mentalität der Eigengesetzlichkeit, weil sie Teil unserer gefallenen Natur ist, die Gott und Seinen Ordnungen feindlich gegenübersteht. Die Frage ist daher: Rechtfertigen wir wirklich Gott und Sein Gesetz, oder rechtfertigen wir womöglich uns und unsere Gesetzlosigkeit?

In einem Lektionsgespräch stellte eine liebe Teilnehmerin mit Nachdruck fest, wir würden unser Leben lang Sünder bleiben. Als ich nachfragte, ob sie diese Überzeugung aus ihrer Erfahrung gewonnen habe oder aus dem Wort Gottes, wich sie aus. Das überraschte mich nicht, denn die Bibel lehrt gerade das Gegenteil: Befreiung aus der Macht der Sünde und Beherrschung aller zerstörerischen Neigungen durch ein Leben im Heiligen Geist.

Es ist zwar keine angenehme Schlussfolgerung, aber tatsächlich ist eine Theologie, die die eigene Erfahrung zum Maßstab für das Bibelverständnis macht, prinzipiell nicht besser als die sinnesbetonten Erlebnisse eines Charismatikers oder des Besuchers einer katholischen Messe. Sie alle setzen ihr eigenes Erleben höher an als das klare Wort Gottes. Beachten wir dagegen die Qualität des Glaubens Abrahams – gegen alle Erfahrung und menschliche Vernunft:

Röm 4,17 (Schlachter) … vor Gott, dem er [Abraham] glaubte, der die Toten lebendig macht und dem ruft, was nicht ist, als wäre es da.

18 Er hat da, wo nichts zu hoffen war, auf Hoffnung hin geglaubt, dass er ein Vater vieler Völker werde, gemäß der Zusage: “So soll dein Same sein!”

19 Und er wurde nicht schwach im Glauben und zog nicht seinen Leib in Betracht, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war; auch nicht den erstorbenen Mutterleib der Sara.

20 Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab

21 und völlig überzeugt war, dass Er das, was Er verheißen hat, auch zu tun vermag.

22 Darum wurde es ihm auch als Gerechtigkeit angerechnet.

Dieser Abschnitt ist so tief und deutlich, dass er allein schon das ewige Evangelium verständlich macht. Abrahams Glaube bestand darin, Gott alles zuzutrauen, was Er versprochen hatte, vollkommen unabhängig von äußeren Umständen und inneren Unmöglichkeiten. Es war bedingungsloses Vertrauen. Diese Art Glaube war die Grundlage seiner „angerechneten Gerechtigkeit“ (V. 22). Und die Bibel beschreibt Abrahams Glauben deshalb so ausführlich, weil er zeigt, von welcher Qualität unser Glaube sein muss, wenn uns die gleiche Gerechtigkeit angerechnet werden soll:

Röm 4,23 Es steht aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, dass es ihm angerechnet worden ist,

24 sondern auch um unsertwillen, denen es angerechnet werden soll, wenn wir an den glauben, der unseren Herrn Jesus aus den Toten auferweckt hat …

Dieser Glaube anerkennt, dass Gott nichts unmöglich ist, weil Er sogar in der Lage ist, Tote aufzuerwecken und aus dem Nichts zu schaffen (V. 17.24). Das Thema der Totenauferweckung ist auch in anderen Bibelabschnitten zentral, weil sie Gottes unbegrenzte Macht demonstriert, alles in uns hervorzubringen, was Ihm gefällt, völlig unabhängig von der „Qualität des Ausgangsmaterials“ (unserem sündigen Wesen)!

Kol 2,11 In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus,

12 mit ihm begraben in der Taufe, in ihm auch mit auferweckt durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes, der ihn aus den Toten auferweckt hat.

13 Und euch, die ihr tot wart in den Vergehungen und in der Unbeschnittenheit eures Fleisches, hat er mit lebendig gemacht mit ihm, indem er uns alle Vergehungen vergeben hat.

Eph 1,18 Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr wisst, was die Hoffnung seiner Berufung, was der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen

19 und was die überragende Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist, nach der Wirksamkeit der Macht seiner Stärke.

20 Die hat er in Christus wirksam werden lassen, indem er ihn aus den Toten auferweckt und zu seiner Rechten in der Himmelswelt gesetzt hat …

Der Wunsch von Paulus nach „Erleuchtung“ für die Epheser in Vers 18 und 19 ist ungemein wichtig für uns heute – eine Gemeinde, die Jesus „blind“ nennt: Gott muss unsere inneren Augen erleuchten, damit wir erkennen, zu was für einer überreichen Hoffnung wir eigentlich berufen sind (zu einem vollkommenen, christusähnlichen Charakter = das weiße Kleid) und wie „überragend groß die Kraft“ ist, die in uns zum Wirken kommt, wenn wir glauben (= von Jesus Gold kaufen – den festen Glauben an Gottes unbegrenzte Möglichkeiten zu unserem Heil). Dies ist „der Glaube Jesu“, und er führt zum vollständigen „Halten der Gebote Gottes“ (Off 14,12). Erst wenn wir zu diesem Glauben finden, indem wir ihn von Christus empfangen, können wir die uns zugewiesene Rolle als Endzeitgemeinde einnehmen und das „ewige Evangelium“ um die ganze Welt tragen.

Ellen White schrieb 1893 sehnsüchtig klagend:

1888M 1099 O, warum erhebt sich Christi Gemeinde nicht und legt ihre wunderschönen Gewänder an? Warum leuchtet sie nicht? Der wesentliche Grund für so ein schwaches Christentum ist, dass diejenigen, die angeblich die Wahrheit glauben, Christus so wenig kennen und eine so geringe Vorstellung davon haben, was Er für sie sein möchte und was sie durch Ihn sein können. Wir haben die feierlichsten, bedeutsamsten Wahrheiten, die je Sterblichen anvertraut worden sind. Wären unsere Worte, unsere Gedanken, unsere Taten reiner und erhabener, mehr in Übereinstimmung mit dem heiligen Glauben, den wir bekennen, dann würden wir unsere Verantwortung in einem ganz anderen Licht sehen. Wie feierlich, wie heilig würde sie erscheinen! Wir hätten ein tieferes Bewusstsein unserer Pflichten und würden es zu unserem beständigen Ziel machen, die Heiligkeit in der Furcht Gottes zu vollenden.

38. Der Erlösungsplan besteht darin, dass Gott uns vollständige Sündenerkenntnis schenkt, um uns dann, wenn wir darum bitten, vollkommen zu vergeben und damit ungeteilte Liebe zu Gott in uns zu wecken, die zu dem Wunsch führt, Gottes Wesenszüge vollständig nachzuahmen, woraufhin der Heilige Geist völligen Gehorsam in unser Herz legt, aus dem sich schließlich ein vollkommener Charakter entwickelt, der uns zu voller Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit befähigt.

Der Erlösungsplan ist in allen seinen Phasen und Aspekten vollkommen, weil hinter seiner Entstehung und Verwirklichung ein vollkommener Gott steht. Seine Handschrift trägt er, und Sein Wesen bezeugt er – den überragenden Reichtum Seiner Liebe, Gnade und rettenden Macht.

5Mo 32,4 Der Fels: vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!

2Sam 22,31 Gott – sein Weg ist vollkommen; des HERRN Wort ist lauter; ein Schild ist er allen, die sich bei ihm bergen.

Pred 3,14 Ich habe erkannt, dass alles, was Gott tut, für ewig ist; man kann nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; und Gott hat es so gemacht, damit man ihn fürchte.

Jak 1,17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.

Mt 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Ein vollkommener Gott bringt niemals etwas Unvollkommenes hervor. Die zweite Schöpfung wird nicht weniger perfekt sein als die erste. Diese biblische Tatsache zu bestreiten oder zu beschränken, beweist nicht Demut oder Bescheidenheit, sondern schlicht Unkenntnis oder Unglauben. Durch mangelnden Glauben an unsere sittliche Vervollkommnung vereiteln wir die überschwänglichen Absichten des Himmels mit dem Menschen und enthalten Gott die Ihm zustehende Ehre und Herrlichkeit vor.

DA 671 Die Vervollkommnung des Charakters seines Volkes ist eine Ehrensache für Gott, eine Ehrensache für Christus. (vgl. LJ 670)

Off 14,7 Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre!

Die größte Ehre für einen Arzt sind gesunde Patienten, und die größte Ehre für den Erlöser sind erlöste Sünder – vervollkommnete Menschen! Du kannst Gott keine größere „Ehre geben“, als dein sündiges Leben und Wesen zu Seinen Füßen zu legen und zu sagen: „Tu damit, was immer Dir gefällt.“ Gott steht zu Seinem Wort, uns zu vervollkommnen, ja Er hat sogar Seine persönliche Ehre von der Erreichung dieses Zieles abhängig gemacht. Nichts und niemand kann Ihn davon abhalten – schenke Ihm einfach dein ganzes Vertrauen!

23. Die erste grundlegende Einsicht auf dem Weg zum Heil ist die der eigenen Verlorenheit. Sie wird offenkundig in der totalen Unmöglichkeit für den natürlichen Menschen, Gottes heiliges Gesetz zu halten (Röm 8,7).

Röm 8,7 Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie kann das auch nicht.

Paulus beschreibt die Erfahrung seiner persönlichen Bekehrung so:

Röm 7,9 Ich aber lebte einst ohne Gesetz; als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf;

10 ich aber starb …

21 Ich finde also das Gesetz, dass bei mir, der ich das Gute tun will, nur das Böse vorhanden ist … 24 Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?

Gal 3,24 Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christus hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden.

Im Spiegel des göttlichen Gesetzes, erleuchtet vom Heiligen Geist, erkannte der Apostel seinen wahren, todgeweihten Zustand und rief nach einem Erlöser.

Ein mit sich zufriedener, selbstgerechter Mensch hat weder das Bedürfnis nach Erlösung noch Wertschätzung dafür, was Christus ihm sein möchte. Der Einzige, der uns in dieser Situation zu Einsicht und Buße führen kann, ist Gott selbst. An uns liegt es dann, auf Sein Wirken zu reagieren:

1SM 390 Muss der Sünder warten, bis er Gewissensbisse wegen seiner Sünden spürt, bevor er zu Christus kommen kann? Der allererste Schritt auf Christus kommt durch das Ziehen des Geistes Gottes zustande. Antwortet der Mensch auf dieses Ziehen, nähert er sich Christus, um zur Reue zu finden. (vgl. 1FG 411)