32. Das Heilige steht für die tägliche Lebensgemeinschaft mit Jesus; hier erfährt der Gläubige Veränderung und Wachstum. Diesen Punkt teilen evangelische Christen nur teilweise mit Adventisten.

Ich kenne keinen Christen, der behaupten würde, ein Mensch könne nach seiner Bekehrung komplett so weiterleben wie bisher. Insofern würde wohl jeder zustimmen, dass der christliche Glaube „Veränderung und Wachstum“ mit sich bringt. Die Frage ist nur, in welchem Maße. An diesem Punkt scheiden sich auch in der Adventgemeinde die Geister. Ob jemand liberal oder konservativ gesinnt ist, zeigt sich üblicherweise daran, wie viel Gewicht auf Heiligung und Gehorsam gelegt wird. Darüber lässt sich dann im Gemeindeleben „wunderbar“ und ausgiebig streiten. „Perfektionisten“ wollen aber beide Gruppen nicht sein, d. h. die Option vollständiger Heiligung und tadellosen Gehorsams scheidet aus und bleibt einigen einsamen Rufern in der Wüste vorbehalten, von denen sich dann sogar Konservative abgrenzen und dabei wohlig „in der Mitte“ fühlen dürfen.

Traurigerweise erinnert diese Situation an die Zeit Jesu, als sich Sadduzäer und Pharisäer zwar spinnefeind gegenüberstanden, in der Konfrontation mit Christus und Seinen Lehren am Ende aber beide gleicherweise auf der falschen Seite der Frage standen. Ihre „theologischen Diskussionen“ entpuppten sich als sinn- und fruchtlos, weil sie an den entscheidenden Punkten permanent vorbeigegangen waren: Hänge ich an Christus so vollständig wie eine Rebe am Weinstock? Wenn ja, gehört Sein Leben mir, fließt in mich hinein, bewirkt immer mehr Frucht und bringt sie zur Reife (ein Bild für Vollkommenheit). Wenn nein, bin ich ein toter Ast, verdorre immer mehr und bin eines Tages auch reif – doch leider für das Gericht. Also, jeder wird am Ende auf die eine oder andere Weise „reif“ oder „vollkommen“ sein (das griech. Wort teleios bedeutet beides). Es gibt nur diese zwei Möglichkeiten, wie Jesus Johannes auf Patmos symbolisch gezeigt hat – und nicht zufällig steht diese Schilderung direkt nach der Dreiengelbotschaft, die laut Ellen White den Zweck hat, die Gemeinde zu vervollkommnen:

Off 14,14 Und ich sah: und siehe, eine weiße Wolke, und auf der Wolke saß einer gleich einem Menschensohn, der auf seinem Haupt einen goldenen Siegeskranz und in seiner Hand eine scharfe Sichel hatte.

15 Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel hervor und rief dem, der auf der Wolke saß, mit lauter Stimme zu: Schicke deine Sichel und ernte! Denn die Stunde des Erntens ist gekommen, denn die Ernte der Erde ist überreif geworden.

16 Und der auf der Wolke saß, warf seine Sichel auf die Erde, und die Erde wurde abgeerntet. [Christus erntet die Gläubigen und sammelt sie in seine Scheune; Mt 13,30.]

17 Und ein anderer Engel kam aus dem Tempel im Himmel hervor, und auch er hatte eine scharfe Sichel.

18 Und ein anderer Engel, der Macht über das Feuer hatte, kam aus dem Altar hervor, und er rief dem, der die scharfe Sichel hatte, mit lauter Stimme zu und sprach: Schicke deine scharfe Sichel und lies die Trauben des Weinstocks der Erde! Denn seine Beeren sind reif geworden.

19 Und der Engel warf seine Sichel auf die Erde und las den Weinstock der Erde ab und warf die Trauben in die große Kelter des Grimmes Gottes. [Ein Engel erntet die Ungläubigen, die Strafe und Vernichtung erfahren.]