94. Wollen wir „Babylons Fall“ verkünden und andere aus diesem System der Rebellion und Götzenanbetung herausrufen (Off 14,8; 18,4), muss zuerst unsere eigene Rebellion gegen Gott beendet werden, die sich in Unglauben und Ungehorsam gegenüber seinem Erlösungsweg zeigt.

Unser Unglaube zeigt sich darin, dass wir vollkommenen Gehorsam und einen vollkommenen Charakter diesseits der Ewigkeit für unmöglich halten. Gefühle der Rebellion und Auflehnung sind die Folge, weil wir Vollkommenheit als Forderung für ungerecht und lieblos halten.

Das Problem dahinter ist dasselbe wie bei unseren Ureltern: ein Missverständnis von Gottes Wesen. Satan „überzeugte“ sie von Charakterzügen Gottes, die Er in Wahrheit nicht besaß. Adam und Eva rebellierten mit ihrer Tat gegen einen Gott, den es gar nicht gab. Auch wir würden nicht rebellieren, würden wir Gottes Liebe und Gerechtigkeit in allem Seinem Handeln klar erkennen. Satans Versuchungen haben in dem Maße Erfolg, wie er den wahren Gott vor uns verzerren und verbergen kann.

Das schlichte, aber sehr mächtige Gegenmittel gegen Unglauben und Rebellion ist darum die Wahrheit über Gott, offenbart in der Schrift. Jeder Grund zur Auflehnung schwindet, wenn wir erkennen und im Glauben annehmen,

a) dass Gottes Gerechtigkeit weder kleine noch große Übertretungen Seines Gesetzes hinnehmen kann, ohne das ewige Glück des Menschen, des Himmels sowie des gesamten Universums zu gefährden, und dass Er deshalb nur heilige Wesen in den Himmel aufnehmen kann, die innen und außen mit Seinen Geboten übereinstimmen, also sittliche Vollkommenheit besitzen;

b) dass Gottes Liebe und Seine vollständige Kenntnis (und in Christus Selbsterleben!) all unserer Schwachheiten die größte überhaupt vorstellbare Zusicherung und Garantie dafür sind, dass Sein Plan der Erlösung all diese weitreichenden Forderungen umfasst und verwirklicht und ein Scheitern selbst des schwächsten Gläubigen ausgeschlossen ist, solange er sich an seinen Erlöser hält.

Kurz gefasst: Gottes Gerechtigkeit macht Vollkommenheit nötig, Gottes Liebe macht Vollkommenheit möglich. Darin besteht das „ewige Evangelium“, das wir eigentlich weltweit verkündigen sollen, aber selbst aus den Augen verloren haben. Erfassen wir es aber als Wahrheit und Tatsache, wird sich jede Rebellion in überströmende Freude und tiefe Liebe verwandeln. Warum sollten wir diesen Gott nicht von ganzem Herzen bewundern und verehren? Seine Gerechtigkeit ist ein unerschütterlicher, zuverlässiger, nie trügender Fels, und Seine Liebe ist ein mächtiger, mitfühlender, alle nur denkbaren Wege der Barmherzigkeit ausschöpfender Retter.

49. Das adventistische Verständnis vom Erlösungswerk Jesu, wie es auch 1888 verkündigt wurde, baut zwar auf den Erkenntnissen der Reformation auf, geht aber darüber hinaus.

Wir sagen manchmal, dass alle unsere Lehren Christus zum Mittelpunkt haben müssen – und das lässt sich nur von Herzen bejahen. Wenn aber jede Lehre auf ihre Weise etwas von Christus und Seinem Wesen beschreibt, der das Abbild des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15), dann verhilft jede wahre Lehre auch zu einer tieferen Gotteserkenntnis. Und da Erlösung die Wiederherstellung des Bildes Gottes im gefallenen Menschen ist, bringt eine bessere Gotteserkenntnis auch ein besseres Erlösungsverständnis mit sich.

Schon aus dieser Überlegung heraus wird klar, dass Gottes Endzeitvolk mit dem weitreichendsten Lehrgebäude aller Zeitalter einschließlich einer umfassenden Prophetieauslegung ein weitaus klareres und detaillierteres Bild von Gott, Seinem Wesen, Seinem Gesetz, den Streitpunkten im großen Kampf und dem Erlösungswerk besitzen muss als die Reformatoren zu ihrer Zeit. Allein die Heiligtumslehre erlaubt uns schon tiefere Einblicke in die Art und Weise, wie unser Herr Menschen für die Ewigkeit rettet. Dazu im Folgenden mehr.

44. Die Verkündigung auf der Generalkonferenz von 1888 war ein Vorstoß Gottes, die Gemeinde zur vollen Erkenntnis des Erlösungsplanes zu führen und so den Weg für den Spätregen und die Wiederkunft zu bahnen.

Die Botschaft von 1888 durch die jungen Verkündiger A. T. Jones und E. J. Waggoner war weder der erste göttliche Vorstoß zur Beendigung der Weltgeschichte noch der letzte, wohl aber der bedeutsamste – und mit Abstand auch der umstrittenste. Diese unglückliche Paarung ist kein Zufall: Der Streit um die Deutungshoheit von Minneapolis (wo die Generalkonferenz von 1888 stattfand) entspricht in seiner Intensität der Bedeutung, die Satan selbst – als Urheber des Streites – diesem Stück Adventgeschichte beimisst.

Nachdem ich mich gründlicher mit 1888 beschäftigt habe, muss ich bekennen, dass ich schockiert und tief traurig darüber bin, wie viele Hindernisse der Feind über die Jahre aufgetürmt hat, um die von Gott beabsichtigte Wirkung jener Botschaft – Vorbereitung der Gemeinde auf Spätregen, Lauten Ruf und die Wiederkunft Jesu – bis heute zunichte zu machen.

  • Eine Waffe in seinem Repertoire ist die Behauptung, die 1888 gepredigte Botschaft sei zwar „von Gott gesandt“ und „überaus kostbar“ gewesen (TM 91), doch könne heute niemand mehr sagen, was genau ihr Inhalt war, da keine wörtlichen Mitschriften existierten und Jones und Waggoner angeblich bereits kurz nach der Konferenz theologisch auf Abwege gerieten, was auch die Ursache dafür gewesen sei, dass sie in den 1900er Jahren die Gemeinde verließen.
  • Eine andere ist die Versicherung, Jones und Waggoner hätten kein speziell adventistisches Erlösungsverständnis verkündet, sondern die Gemeinde lediglich zu den auch in protestantischen Kreisen anerkannten Grundlagen der Rechtfertigung allein durch Glauben an Christus zurückgeführt – eine Behauptung, die zur Folge hat, dass 1888 eigentlich nur für Historiker und Theologen von Interesse ist, aber kaum für das normale Gemeindeglied, für das Rechtfertigung aus Glauben ja zum geistlichen ABC gehört.
  • Ein drittes Störfeuer ist die Frage, in welchem Ausmaß Ellen White als inspirierte Botin Gottes die Darstellungen von Jones und Waggoner befürwortet oder auch kritisiert hat.
  • Eine vierte Barrikade ist das seit den 1950er Jahren gewandelte adventistische Mehrheitsverständnis von der Natur der Sünde und des Menschen und daraus folgend der menschlichen Natur Jesu.
  • Eine fünfte Attacke gegen 1888 ist die Ablehnung der in diesen Thesen erläuterten „vollkommenen Gerechtigkeit aus Glauben“ als unbiblischen Extremismus.
  • Ein sechstes Hindernis ist der Standpunkt, die Lehren aus den Konflikten von 1888 beträfen gar nicht die Theologie, sondern einfach den liebevollen Umgang unter Geschwistern trotz Meinungsverschiedenheiten.

Die Liste ließe sich fortsetzen …

Meine Beobachtung ist, dass 1888 und die Botschaft von Jones und Waggoner im heutigen adventistischen Mainstream praktisch bedeutungslos sind. Ich selbst hatte lange Zeit kaum mehr als eine diffuse Vorstellung dieser Konferenz von „gegen Gesetzlichkeit, für die Gnade, christozentrisch“. Der allergrößte Teil unserer Gemeindeglieder weiß wenig bis nichts über Minneapolis, und wenn darüber mal geredet wird, dann meistens über Begleitumstände und auf der Basis von Ausführungen adventistischer Historiker. So gut wie niemand kennt Jones’ und Waggoners Schriften und Predigten aus erster Hand.

Das ist ein wahres Armutszeugnis, wenn wir bedenken, wie entscheidend dieser Abschnitt der Adventgeschichte war, sollte er doch nach Gottes Willen die letzte Erweckung und Reformation unter seinem Volk bewirken, den Spätregen bringen und das ewige Evangelium um die ganze Welt tragen. Es ist ein Mysterium, dass wir zwar viel von der baldigen und erhofften Wiederkunft Jesu reden, das Naheliegendste aber versäumen, nämlich aus den Jahren und Geschehnissen zu lernen, durch die Gott explizit genau dies herbeiführen wollte.

Persönlich glaube ich nicht, dass die letzten Ereignisse stattfinden werden, wenn wir als Gemeinde nicht zuvor das göttliche Handeln sowie das menschliche Versagen in der Zeit von 1888 und den Folgejahren erkennen, unsere sowie die Schuld unserer Väter bekennen und aufrichtig umkehren – was konkret beinhaltet, die damals gesandte Botschaft zu verstehen, zu glauben und zu leben. Der Punkt dabei ist nicht die Jahreszahl oder die Namen der Botschafter, sondern die Botschaft selbst, die immer dieselbe bleibt, weil sie göttlichen Ursprungs ist und tatsächlich identisch mit „dem ewigen Evangelium“ aus Offenbarung 14. Israel wurde nach der Rebellion am Jordan und anschließenden 38 Wüstenjahren erneut an den Ort geführt, an dem die vergangene Generation versagt hatte (Kadesch-Barnea). In gleicher Weise erwarte ich, dass der Herr Sein heutiges Volk wieder an den Punkt bringen wird, an dem es sich vor über 130 Jahren in Minneapolis schon einmal befand. Wir brauchen eine Generation, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und diesmal unseren himmlischen Heerführer nicht enttäuscht. Das wunderbare Resultat wird Erweckung und Reformation, die Ausgießung des Spätregens, die weltweite Verkündigung des Evangeliums und Christi Kommen mit den Wolken des Himmels sein – kurz: die Erfüllung aller unserer Sehnsüchte!

Ich empfehle zum Studium der Geschichte von 1888 und den Nachwirkungen die beiden exzellent recherchierten Bücher The Return of the Latter Rain (Band 1; deutsche Ausgabe ist in Vorbereitung) und Wounded in the House of his Friends von Ron Duffield (auf thereturnofthelatterrain.net sind kostenlose PDF-Ausgaben auf englisch, rumänisch und russisch erhältlich, englisch auch als Audiobuch). Bitte bei dieser Thematik sich möglichst breit informieren – weil sie so umstritten und gleichzeitig so wichtig ist, reicht es nicht, dazu das Buch eines bekannten Adventgeschichtlers zu lesen oder ein Symposium zu besuchen und dann zu meinen, man wisse jetzt Bescheid! In diesem Fall ist ein tieferes Schürfen unverzichtbar. Doch der Einsatz ist mehr als lohnend!

40. „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,48) Dieses Gebot ist eine Verheißung. Der Erlösungsplan hat unsere vollständige Befreiung aus der Macht Satans zum Ziel.

Wer Das Leben Jesu kennt, weiß, dass diese These wörtlich daraus zitiert ist (S. 300). Diese wenigen Sätze fassen im Grunde das Evangelium zusammen. Sie bestätigen, dass Gott Vollkommenheit erwartet („Gebot“), weil Er sie selbst verwirklicht („Verheißung“), und dass Erlösung als ein Zusammenspiel von göttlicher Aktion („Erlösung, Befreiung“) und menschlicher Reaktion (Gehorsam gegenüber dem „Ihr sollt“) geschieht, dessen Ziel die „vollständige Freiheit“ ist, mit der Gott die ersten Menschen ausgestattet hatte.

Der Geist der Weissagung schildert uns, wie Jesus selbst durch das Zusammenspiel von Gottes „Geboten“ und „Verheißungen“ aus dem großen Kampf mit dem Teufel als Sieger hervorging:

MH 181 Der Heiland überwand, um den Menschen zu zeigen, wie sie überwinden können. Allen Versuchungen Satans begegnete Christus mit dem Wort Gottes. Indem er Gottes Verheißungen vertraute, empfing er Kraft, Gottes Geboten zu gehorchen, und der Versucher konnte keinen Vorteil erringen.

Überlegen wir einmal: Gott als barmherziger Vater und liebender Schöpfer würde niemals auch nur annähernd gefallenen Geschöpfen wie dir und mir etwas „gebieten“, von dem Er wüsste, dass wir dazu beim besten Willen nicht in der Lage wären. Selbst menschliche Eltern mit ihrer so begrenzten Liebesfähigkeit kämen nicht auf den Gedanken, ihre Kinder mit derartigen Forderungen zu quälen – wie viel mehr der Vater aller Väter!

Ellen White schreibt zum obigen Bibelvers (Mt 5,48) an anderer Stelle:

ST, 3.9.1902 Vor aller Welt lässt Gott uns zu lebendigen Zeugen dafür heranwachsen, was Männer und Frauen durch die Gnade Christi werden können. Wir werden ermahnt, nach einem vollkommenen Charakter zu streben. Der göttliche Lehrer sagt: „Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist.“ (Mt 5,48) Würde Christus uns damit schikanieren, dass er Unmögliches von uns verlangt? Nie und nimmer! Was für eine Ehre er uns erweist, dass er uns drängt, in unserem Bereich so heilig zu sein wie der Vater in seinem Bereich! Er kann uns dazu befähigen, denn er erklärt: „Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden.“ (Mt 28,18) Wir haben das Vorrecht, diese unbegrenzte Macht in Anspruch zu nehmen.

2SM 32 Die Schrift lehrt uns, nach der Heiligung von Körper, Seele und Geist für Gott zu streben. Dabei sollen wir mit Gott zusammenarbeiten. Es kann viel getan werden, um das sittliche Bild Gottes im Menschen wiederherzustellen und die körperlichen, geistigen und moralischen Fähigkeiten zu entwickeln. Große Veränderungen können im Organismus geschehen, wenn man Gottes Gesetzen gehorcht und dem Körper nichts Unreines zuführt. Zwar können wir keine Vollkommenheit des Fleisches beanspruchen, doch dürfen wir christliche Vollkommenheit der Seele haben. Durch das für uns gebrachte Opfer können Sünden vollkommen vergeben werden. Wir stützen uns nicht darauf, was der Mensch tun kann, sondern was Gott durch Christus für den Menschen tun kann. Wenn wir uns Gott ganz übergeben und völlig glauben, reinigt Christi Blut uns von allen Sünden. Das Gewissen kann frei werden von Verdammung. Durch den Glauben an Sein Blut kann jeder in Christus Jesus vervollkommnet werden. Gott sei Dank, dass wir es nicht mit Unmöglichkeiten zu tun haben! Wir dürfen Heiligung beanspruchen. Wir dürfen Gottes Gunst genießen. Wir sollen uns nicht darüber sorgen, was Christus und Gott von uns denken, sondern was Gott von Christus, unserem Stellvertreter, denkt. Ihr seid angenommen in dem Geliebten. (vgl. 2FG 33)

Es ist ein trauriges Kapitel Adventgeschichte, dass gerade die Zusage Jesu in diesem Vers (Mt 5,48), die die wunderbare Tiefe und Überschwänglichkeit des Erlösungsplanes zum Ausdruck bringt – die Wiederherstellung der Vollkommenheit, mit der Gott uns geschaffen hat –, so häufig gemieden, bestritten und relativiert worden ist. Der erste Schritt, dieses Stück Geschichte zu einem Kapitel des Triumphes zu machen, ist einzugestehen, dass diese Worte Jesu an sich schlicht, mächtig und herrlich sind und das einzige Problem damit unser Mangel an Glauben ist. Gottes Wort steht fest, und die Erfüllung aller Seiner Versprechen ist über jeden Zweifel erhaben. Doch entscheiden persönlicher Glaube oder Unglaube darüber, an wem sich das Wort verwirklicht und an wem nicht.

Wir brauchen kindlichen Glauben! Wir sollten daher konsequent alles Glaubensstärkende pflegen und hegen, zweifelnde Überlegungen hingegen verbannen und ihnen keinen Raum geben. Daher abschließend noch ein glaubensstärkender Gedanke aus dem obigen Vers: Unsere Vollkommenheit ist die natürliche Folge daraus, dass unser Vater vollkommen ist. Wir werden vollkommen sein, weil unser Vater vollkommen ist! Das ist das „Gesetz geistlicher Vererbung“. Wir bringen diese Vollkommenheit nicht aus uns selbst hervor, sondern Gott hat sie in uns hineingelegt, als Er uns durch die Wiedergeburt zu Seinen Kindern gemacht – „gezeugt“ – hat. Wenn wir Ihm so unbekümmert vertrauen, wie Kinder es natürlicherweise tun, schaffen wir den nötigen Raum, dass dieser göttliche Same der Vollkommenheit wachsen und reifen kann. Die Sonne der Gerechtigkeit Christi und der Regen des Heiligen Geistes werden die Frucht hervorbringen, die Gott bereits im Samenkorn verborgen hat. Das sind Naturgesetze. Nichts kann sie aufhalten – außer unserem Zweifel. Deshalb lasst uns unserem Vater im Himmel vertrauen! Er kann und wird uns nicht enttäuschen.

39. In allen diesen Schritten ist Christus „Anfänger und Vollender“ (Heb 12,2), weswegen im Erlösungsplan menschlicher Ruhm „ausgeschlossen“ ist (Röm 3,27), wobei uns dennoch die Aufgabe zufällt, die guten Werke auszuleben, die Gott „in Christus vorbereitet hat“ (Eph 2,10), weswegen unsere Erlösung nicht ohne eigenes Zutun geschieht (Phil 2,12), was aber vor Gott ohne jedes Verdienst ist (Lk 17,10) und nicht mit Werksgerechtigkeit verwechselt werden darf.

Heb 12,2 indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

Röm 3,27 Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. Durch was für ein Gesetz? Der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.

Eph 2,10 Denn wir sind sein Gebilde, in Christus Jesus geschaffen zu guten Werken, die Gott vorher bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

Phil 2,12 Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht nur wie in meiner Gegenwart, sondern jetzt noch viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt euer Heil mit Furcht und Zittern!

Lk 17,10 So sprecht auch ihr, wenn ihr alles getan habt, was euch befohlen ist: Wir sind unnütze Sklaven; wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren.

Für viele Christen ist die geringste Andeutung menschlicher Mitwirkung im Erlösungsplan bereits „Werksgerechtigkeit“ und „ein anderes Evangelium“. Das ist jedoch ein grundlegendes Missverständnis der biblischen Botschaft. Es vermittelt ein falsches Bild sowohl von Gottes Charakter als auch von der Natur des Menschen. Gott hat den Menschen als moralisch freies Wesen geschaffen mit der Fähigkeit, Gutes oder auch Böses zu tun. Dass der Schöpfer uns diese Freiheit verliehen hat, ist ein unwiderlegbarer Beweis seiner unbeschreiblichen Liebe zu uns, denn diese Freiheit sollte den Sohn Gottes das Leben kosten. Es war Adams Entscheidung, die Sünde in sein Herz zu lassen und das Böse zu tun, und es ist letztlich auch die Entscheidung des Menschen, die Sünde wieder auszutreiben und das Gute zu tun. Der Wille und die Kraft dazu sind gänzlich Gnadengaben Gottes durch die Verdienste Christi; die Anwendung der Gaben liegt jedoch bei uns.

DA 466 Im Erlösungswerk gibt es keinen Zwang. Keine äußere Gewalt wird gebraucht. Unter dem Einfluss des Geistes Gottes ist es jedem selbst überlassen, wem er dienen will. Die Wandlung, wenn sich jemand Christus übergibt, geschieht in höchstem Sinne in Freiheit. Die Austreibung der Sünde geschieht durch den Menschen selbst. Es stimmt, wir haben keine Kraft, uns aus der Herrschaft Satans zu befreien; aber wenn es unser Wunsch ist, von der Sünde befreit zu werden, und wir in unserer großen Not nach einer Kraft außerhalb von uns und über uns rufen, dann werden die inneren Kräfte mit der göttlichen Energie des Heiligen Geistes durchtränkt und gehorchen den Befehlen des [eigenen] Willens in der Erfüllung des Willens Gottes. (vgl. LJ 462)

5T 579 Wenn wir Selbstsucht und Bequemlichkeit pflegen, unseren Neigungen nachgehen und nicht unser Bestmögliches tun, um mit Gott bei unserer Erhebung, Veredelung und Läuterung zusammenzuarbeiten, erfüllen wir nicht seine Erwartungen an uns. Wir erleiden einen dauerhaften Verlust in diesem Leben und werden am Ende das zukünftige, unsterbliche Leben verlieren. Gott möchte, dass du aktiv bist – nicht in Selbstverachtung oder Entmutigung, sondern mit stärkstem Glauben und Hoffnung, heiter und fröhlich, als Repräsentant Christi für die Welt. Der Glaube Jesu bedeutet Freude, Friede und Glück.

AG 319 Die Kraft Gottes ist der eine Wirkungsfaktor in dem großartigen Werk, über die Welt, das Fleisch und den Teufel den Sieg davonzutragen … Der Mensch kann ohne Gott nichts erreichen. Gott hat seinen Plan so entworfen, dass in der Wiederherstellung der Menschheit nichts erreicht wird außer durch die Zusammenarbeit zwischen Menschlichem und Göttlichem. Der vom Menschen geforderte Part ist unermesslich klein; trotzdem ist nach Gottes Plan gerade dieser Part nötig, damit das Werk erfolgreich ist.

Dessen ungeachtet muss uns immer bewusst sein, dass alles, was wir – selbst als Gläubige – vor Gott bringen können, allein durch die Verdienste Jesu annehmbar wird. Vom ersten bis zum letzten Schritt sind wir im Erlösungsplan ganz von unserem Heiland und Seinem reinigenden Blut abhängig. Diese Erkenntnis sollte uns vor jedem Gedanken an Eigenverdienst und vor allen Gefühlen von Stolz und Bessersein bewahren und stets demütig und dankbar sein lassen. Im Angesicht des Kreuzes leben wir in einem sich ständig vertiefenden Empfinden unserer eigenen Unwürdigkeit und Verlorenheit ohne Christus, dessen vollkommene Gerechtigkeit allein vor Gott von Wert ist.

1SM 344 Die Gottesdienste, die Gebete, das Lob, das reuige Sündenbekenntnis steigen von den wahren Gläubigen wie Weihrauch zum himmlischen Heiligtum, doch weil sie dabei mit der menschlichen Verdorbenheit in Berührung kommen, werden sie so befleckt, dass sie vor Gott keinerlei Wert hätten, würden sie nicht durch Blut geläutert. Sie steigen nicht in makelloser Reinheit auf, und wenn nicht der Mittler zur Rechten Gottes alles durch seine Gerechtigkeit darbringt und reinigt, ist es vor Gott nicht annehmbar. Jeder Weihrauch von irdischen Stiftshütten muss von den reinigenden Bluttropfen Christi durchfeuchtet sein … O würden doch alle sehen, dass jeder Gehorsam, jede Buße, jedes Lob und jeder Dank auf das glühende Feuer der Gerechtigkeit Christi gebracht werden muss! (vgl. 1FG 363f.)

Vollkommenheit in diesem Leben ist uns verheißen, doch bis dahin werden wir selbst bei unserem aufrichtigsten Bemühen immer wieder mit unseren zahlreichen Unvollkommenheiten konfrontiert werden. Daher sind die folgenden Worte ein großer Trost:

1SM 368 Christus schaut auf die Einstellung, und wenn er sieht, dass wir unsere Lasten mit Glauben tragen, sühnt seine vollkommene Heiligkeit unsere Unzulänglichkeit. Wenn wir unser Bestes geben, wird er zu unserer Gerechtigkeit. (vgl. 1FG 388)

Manche nehmen solche Aussagen als Begründung, warum selbst ein Christ Gottes Gesetz niemals vollkommen halten werde. Ein Prediger führte einmal im Gespräch mit mir das erste Zitat an und meinte, unsere Taten würden sogar im Himmel noch dieser Art Sühne bedürfen. Wenn das so wäre, könnte Jesu Priesterdienst nie zu Ende gehen, und eine Zeit kurz vor der Wiederkunft, wo wir „ohne Mittler vor dem Angesicht eines heiligen Gottes bestehen müssen“ (GC 424; vgl. GK 427), würde es nie geben. Gottes Wort versichert uns dagegen, dass Christi Opfer von jeder Sünde reinigt:

Heb 9,13 Denn wenn das Blut von Böcken und Stieren und die Asche einer jungen Kuh, auf die Unreinen gesprengt, zur Reinheit des Fleisches heiligt,

14 wie viel mehr wird das Blut des Christus, der sich selbst durch den ewigen Geist als Opfer ohne Fehler Gott dargebracht hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, damit ihr dem lebendigen Gott dient!

Die Zeit wird kommen, wenn unser Hohepriester seinen Dienst im himmlischen Heiligtum für immer niederlegen und die schicksalhaften Worte sprechen wird:

Off 22,11 Wer unrecht tut, tue noch unrecht, und wer unrein ist, verunreinige sich noch, und wer gerecht ist, übe noch Gerechtigkeit, und wer heilig ist, sei noch geheiligt.

Dieses „Gerechtigkeit üben“ wird dann unabhängig vom vermittelnden und sühnenden Blut Jesu geschehen. Die vollkommene Gerechtigkeit Jesu ist zu diesem Zeitpunkt ganz zur Gerechtigkeit der Gläubigen geworden. Die Heiligung ist vollendet, die Gemeinschaft mit Christus durch den Heiligen Geist ungetrübt, die Seele des Menschen ganz von den Spuren der Sünde gereinigt. Jesu Verheißung, uns Vollkommenheit zu schenken, wird am Ende unseres Lebens (egal, wie lange es währt) erfüllt sein!

38. Der Erlösungsplan besteht darin, dass Gott uns vollständige Sündenerkenntnis schenkt, um uns dann, wenn wir darum bitten, vollkommen zu vergeben und damit ungeteilte Liebe zu Gott in uns zu wecken, die zu dem Wunsch führt, Gottes Wesenszüge vollständig nachzuahmen, woraufhin der Heilige Geist völligen Gehorsam in unser Herz legt, aus dem sich schließlich ein vollkommener Charakter entwickelt, der uns zu voller Gemeinschaft mit Gott in der Ewigkeit befähigt.

Der Erlösungsplan ist in allen seinen Phasen und Aspekten vollkommen, weil hinter seiner Entstehung und Verwirklichung ein vollkommener Gott steht. Seine Handschrift trägt er, und Sein Wesen bezeugt er – den überragenden Reichtum Seiner Liebe, Gnade und rettenden Macht.

5Mo 32,4 Der Fels: vollkommen ist sein Tun; denn alle seine Wege sind recht. Ein Gott der Treue und ohne Trug, gerecht und gerade ist er!

2Sam 22,31 Gott – sein Weg ist vollkommen; des HERRN Wort ist lauter; ein Schild ist er allen, die sich bei ihm bergen.

Pred 3,14 Ich habe erkannt, dass alles, was Gott tut, für ewig ist; man kann nichts hinzufügen und nichts davon wegnehmen; und Gott hat es so gemacht, damit man ihn fürchte.

Jak 1,17 Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von oben herab, von dem Vater der Lichter, bei dem keine Veränderung ist noch eines Wechsels Schatten.

Mt 5,48 Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.

Ein vollkommener Gott bringt niemals etwas Unvollkommenes hervor. Die zweite Schöpfung wird nicht weniger perfekt sein als die erste. Diese biblische Tatsache zu bestreiten oder zu beschränken, beweist nicht Demut oder Bescheidenheit, sondern schlicht Unkenntnis oder Unglauben. Durch mangelnden Glauben an unsere sittliche Vervollkommnung vereiteln wir die überschwänglichen Absichten des Himmels mit dem Menschen und enthalten Gott die Ihm zustehende Ehre und Herrlichkeit vor.

DA 671 Die Vervollkommnung des Charakters seines Volkes ist eine Ehrensache für Gott, eine Ehrensache für Christus. (vgl. LJ 670)

Off 14,7 Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre!

Die größte Ehre für einen Arzt sind gesunde Patienten, und die größte Ehre für den Erlöser sind erlöste Sünder – vervollkommnete Menschen! Du kannst Gott keine größere „Ehre geben“, als dein sündiges Leben und Wesen zu Seinen Füßen zu legen und zu sagen: „Tu damit, was immer Dir gefällt.“ Gott steht zu Seinem Wort, uns zu vervollkommnen, ja Er hat sogar Seine persönliche Ehre von der Erreichung dieses Zieles abhängig gemacht. Nichts und niemand kann Ihn davon abhalten – schenke Ihm einfach dein ganzes Vertrauen!

30. Die drei Abteile des Heiligtums – Vorhof, Heiliges und Allerheiligstes – stellen die drei Phasen des Erlösungsplanes dar.

Wenn der Heiligtumsdienst eine Veranschaulichung des Erlösungsplanes ist, mit Christus als Sühneopfer und Hohepriester im Mittelpunkt, dann ist es selbstredend, dass die Kenntnis oder Unkenntnis über die damit verbundene Symbolik einen großen Unterschied im Verständnis davon macht, wie ein Mensch gerettet wird. Das richtige Verständnis ist aber von entscheidender Bedeutung! Nicht umsonst hat Gott Mose darum alle mit dem alttestamentlichen Heiligtum verbundenen Maße, Materialien, Geräte, Ordnungen und Zeremonien bis ins Detail geschildert.

Ohne das irdische Heiligtum wüssten wir nichts von den entsprechenden Vorgängen im Himmel und dem Wechsel von Jesu Dienst am 22. Oktober 1844. Der himmlische Tempel war der entscheidende Schlüssel zur Erklärung der großen Enttäuschung und für die nachfolgende Entstehung der Siebenten-Tags-Adventisten mit ihrem ausgewogenen Verständnis von Gesetz und Evangelium sowie einer klaren Sicht vom großen Kampf um den Charakter Gottes und seiner prophetischen Gipfelung in der endzeitlichen Sabbatfrage. Nirgendwo sonst in der Christenheit sind diese biblischen Zusammenhänge in der Breite und Deutlichkeit zu finden wie in der Adventgemeinde.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass evangelische Christen in ihrer Rechtfertigungstheologie im Vorhof stehenbleiben, weil sie vom Heiligen und Allerheiligsten im Himmel nichts wissen. Adventisten haben aber allen Grund, hier im besten Sinne „progressiv“ zu sein und ein vollständiges Evangelium zu verkündigen, das das ganze Spektrum von den Anfängen des Glaubens bis zu seiner Vollendung umfasst (Heb 12,2). Diese neuen und erweiterten Einsichten lehrte Gott die Adventgläubigen nach der Enttäuschung, und diese Einsichten, die nun der ganzen Welt verkündigt werden sollten, waren nichts anderes als die dreifache Engelsbotschaft.

So beschreibt der Große Kampf die Situation der Adventgläubigen kurz nach dem 22. Oktober 1844:

GC 424f. [Sie] waren noch nicht bereit, ihrem Herrn zu begegnen. Es musste noch ein Werk der Vorbereitung für sie getan werden. Sie sollten Licht erhalten, das ihre Aufmerksamkeit auf Gottes Tempel im Himmel lenkte, und wenn sie im Glauben ihrem Hohepriester in seinem Dienst dorthin folgten, würden neue Aufgaben offenbar werden. Die Gemeinde sollte noch eine weitere Botschaft mit Warnungen und Anweisungen erhalten …

Während das Untersuchungsgericht im Himmel stattfindet und die Sünden der reuigen Gläubigen vom Heiligtum entfernt werden, muss unter Gottes Volk auf der Erde ein besonderes Werk der Reinigung geschehen, ein Ablegen von Sünde. Dieses Werk wird in den Botschaften aus Offenbarung 14 noch klarer dargestellt.

Wenn dieses Werk getan ist, werden Christi Nachfolger für sein Erscheinen bereit sein. „Dann wird die Opfergabe Judas und Jerusalems dem HERRN angenehm sein, wie in den Tagen der Vorzeit und wie in den Jahren der Vergangenheit.“ (Mal 3,4) Dann wird unser Herr bei seinem Kommen eine Gemeinde zu sich nehmen, „die herrlich sei, sodass sie weder Flecken noch Runzeln noch etwas Ähnliches habe“ (Eph 5,27). (vgl. GK 426f.)

Ellen White sagt hier deutlich, dass Jesu Dienst im Allerheiligsten den Zweck hat, die Gemeinde auf seine Wiederkunft „vorzubereiten“. Diese geschieht durch ihre „Reinigung“ parallel zur Reinigung des Heiligtums im Himmel. Ihre Sünden müssen „abgelegt“ werden, denn die Gläubigen sind erst dann für Christi Erscheinen bereit, wenn sie „weder Flecken noch Runzeln“ haben, was nichts anderes bedeutet als sittliche Vollkommenheit. Dies, so sagt sie, ist der Inhalt der Botschaften aus Offenbarung 14.

Die dreifache Engelsbotschaft ist somit eine Erläuterung dessen, was Gott durch den großen Versöhnungstag für jeden Gläubigen tun und wie Er die Weltgeschichte zum Abschluss bringen will: durch die Vervollkommnung der Gemeinde und ihr weltweites Zeugnis über „Christus unserer Gerechtigkeit“ in der Fülle des Spätregens. Das entscheidende Merkmal von Gottes Gemeinde in dieser letzten Zeit ist ihr „Glaube“ und ihr „Gehorsam“ (Off 14,12) – aber „vollendeter“ Glaube (1Ths 3,10; 2Ths 1,11; Jak 2,22) und „vollkommener“ Gehorsam = bedingungslose Liebe (Mt 5,48). Es ist „vollendete Heiligung“ (2Kor 7,1), denn das Kleid von Jesu Braut – ein Bild für den Charakter – wird bei seinem Kommen „fein, glänzend, rein“ sein (Off 19,8). Das zu glauben, zu leben und zu verkündigen, ist wahrer „Adventismus“, weil es den „Advent“ – das Kommen Jesu – anbahnt und auf ihn hinwirkt. Es ist die „Beschleunigung“, von der 2. Petrus 3,12 spricht und die direkt mit dem „heiligen Wandel und der Gottseligkeit“ in Vers 11 zu tun hat:

2Pe 3,11 Da dies alles so aufgelöst wird, was für Leute müsst ihr dann sein in heiligem Wandel und Gottseligkeit,

12 indem ihr die Ankunft des Tages Gottes erwartet und beschleunigt, um dessentwillen die Himmel in Feuer geraten und aufgelöst und die Elemente im Brand zerschmelzen werden!

21. Ellen Whites Schrifttum beschreibt exakt denselben Erlösungsplan wie die Bibel, nur in mehr Einzelheiten und für unsere Zeit leichter verständlich.

5T 665f. Ihr seid nicht vertraut mit der Heiligen Schrift. Hättet ihr Gottes Wort mit dem Wunsch studiert, dem biblischen Maßstab gerecht zu werden und christliche Vollkommenheit zu erlangen, dann hättet ihr die Zeugnisse nicht gebraucht. Doch weil ihr es versäumt habt, Gottes inspiriertes Buch kennenzulernen, hat Er versucht, euch durch einfache, direkte Zeugnisse zu erreichen und auf die Worte der Inspiration aufmerksam zu machen, denen ihr bisher nicht gehorcht habt, und euch eindringlich zu bitten, euer Leben mit dessen reinen und erhabenen Lehren in Übereinstimmung zu bringen … Es werden keine zusätzlichen Wahrheiten aufgezeigt, sondern Gott hat in den Zeugnissen die großen, bereits bekannten Wahrheiten vereinfacht

3SM 30 Der Heilige Geist ist Autor der Schrift und des Geistes der Weissagung.