44. Die Verkündigung auf der Generalkonferenz von 1888 war ein Vorstoß Gottes, die Gemeinde zur vollen Erkenntnis des Erlösungsplanes zu führen und so den Weg für den Spätregen und die Wiederkunft zu bahnen.

Die Botschaft von 1888 durch die jungen Verkündiger A. T. Jones und E. J. Waggoner war weder der erste göttliche Vorstoß zur Beendigung der Weltgeschichte noch der letzte, wohl aber der bedeutsamste – und mit Abstand auch der umstrittenste. Diese unglückliche Paarung ist kein Zufall: Der Streit um die Deutungshoheit von Minneapolis (wo die Generalkonferenz von 1888 stattfand) entspricht in seiner Intensität der Bedeutung, die Satan selbst – als Urheber des Streites – diesem Stück Adventgeschichte beimisst.

Nachdem ich mich gründlicher mit 1888 beschäftigt habe, muss ich bekennen, dass ich schockiert und tief traurig darüber bin, wie viele Hindernisse der Feind über die Jahre aufgetürmt hat, um die von Gott beabsichtigte Wirkung jener Botschaft – Vorbereitung der Gemeinde auf Spätregen, Lauten Ruf und die Wiederkunft Jesu – bis heute zunichte zu machen.

  • Eine Waffe in seinem Repertoire ist die Behauptung, die 1888 gepredigte Botschaft sei zwar „von Gott gesandt“ und „überaus kostbar“ gewesen (TM 91), doch könne heute niemand mehr sagen, was genau ihr Inhalt war, da keine wörtlichen Mitschriften existierten und Jones und Waggoner angeblich bereits kurz nach der Konferenz theologisch auf Abwege gerieten, was auch die Ursache dafür gewesen sei, dass sie in den 1900er Jahren die Gemeinde verließen.
  • Eine andere ist die Versicherung, Jones und Waggoner hätten kein speziell adventistisches Erlösungsverständnis verkündet, sondern die Gemeinde lediglich zu den auch in protestantischen Kreisen anerkannten Grundlagen der Rechtfertigung allein durch Glauben an Christus zurückgeführt – eine Behauptung, die zur Folge hat, dass 1888 eigentlich nur für Historiker und Theologen von Interesse ist, aber kaum für das normale Gemeindeglied, für das Rechtfertigung aus Glauben ja zum geistlichen ABC gehört.
  • Ein drittes Störfeuer ist die Frage, in welchem Ausmaß Ellen White als inspirierte Botin Gottes die Darstellungen von Jones und Waggoner befürwortet oder auch kritisiert hat.
  • Eine vierte Barrikade ist das seit den 1950er Jahren gewandelte adventistische Mehrheitsverständnis von der Natur der Sünde und des Menschen und daraus folgend der menschlichen Natur Jesu.
  • Eine fünfte Attacke gegen 1888 ist die Ablehnung der in diesen Thesen erläuterten „vollkommenen Gerechtigkeit aus Glauben“ als unbiblischen Extremismus.
  • Ein sechstes Hindernis ist der Standpunkt, die Lehren aus den Konflikten von 1888 beträfen gar nicht die Theologie, sondern einfach den liebevollen Umgang unter Geschwistern trotz Meinungsverschiedenheiten.

Die Liste ließe sich fortsetzen …

Meine Beobachtung ist, dass 1888 und die Botschaft von Jones und Waggoner im heutigen adventistischen Mainstream praktisch bedeutungslos sind. Ich selbst hatte lange Zeit kaum mehr als eine diffuse Vorstellung dieser Konferenz von „gegen Gesetzlichkeit, für die Gnade, christozentrisch“. Der allergrößte Teil unserer Gemeindeglieder weiß wenig bis nichts über Minneapolis, und wenn darüber mal geredet wird, dann meistens über Begleitumstände und auf der Basis von Ausführungen adventistischer Historiker. So gut wie niemand kennt Jones’ und Waggoners Schriften und Predigten aus erster Hand.

Das ist ein wahres Armutszeugnis, wenn wir bedenken, wie entscheidend dieser Abschnitt der Adventgeschichte war, sollte er doch nach Gottes Willen die letzte Erweckung und Reformation unter seinem Volk bewirken, den Spätregen bringen und das ewige Evangelium um die ganze Welt tragen. Es ist ein Mysterium, dass wir zwar viel von der baldigen und erhofften Wiederkunft Jesu reden, das Naheliegendste aber versäumen, nämlich aus den Jahren und Geschehnissen zu lernen, durch die Gott explizit genau dies herbeiführen wollte.

Persönlich glaube ich nicht, dass die letzten Ereignisse stattfinden werden, wenn wir als Gemeinde nicht zuvor das göttliche Handeln sowie das menschliche Versagen in der Zeit von 1888 und den Folgejahren erkennen, unsere sowie die Schuld unserer Väter bekennen und aufrichtig umkehren – was konkret beinhaltet, die damals gesandte Botschaft zu verstehen, zu glauben und zu leben. Der Punkt dabei ist nicht die Jahreszahl oder die Namen der Botschafter, sondern die Botschaft selbst, die immer dieselbe bleibt, weil sie göttlichen Ursprungs ist und tatsächlich identisch mit „dem ewigen Evangelium“ aus Offenbarung 14. Israel wurde nach der Rebellion am Jordan und anschließenden 38 Wüstenjahren erneut an den Ort geführt, an dem die vergangene Generation versagt hatte (Kadesch-Barnea). In gleicher Weise erwarte ich, dass der Herr Sein heutiges Volk wieder an den Punkt bringen wird, an dem es sich vor über 130 Jahren in Minneapolis schon einmal befand. Wir brauchen eine Generation, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hat und diesmal unseren himmlischen Heerführer nicht enttäuscht. Das wunderbare Resultat wird Erweckung und Reformation, die Ausgießung des Spätregens, die weltweite Verkündigung des Evangeliums und Christi Kommen mit den Wolken des Himmels sein – kurz: die Erfüllung aller unserer Sehnsüchte!

Ich empfehle zum Studium der Geschichte von 1888 und den Nachwirkungen die beiden exzellent recherchierten Bücher The Return of the Latter Rain (Band 1; deutsche Ausgabe ist in Vorbereitung) und Wounded in the House of his Friends von Ron Duffield (auf thereturnofthelatterrain.net sind kostenlose PDF-Ausgaben auf englisch, rumänisch und russisch erhältlich, englisch auch als Audiobuch). Bitte bei dieser Thematik sich möglichst breit informieren – weil sie so umstritten und gleichzeitig so wichtig ist, reicht es nicht, dazu das Buch eines bekannten Adventgeschichtlers zu lesen oder ein Symposium zu besuchen und dann zu meinen, man wisse jetzt Bescheid! In diesem Fall ist ein tieferes Schürfen unverzichtbar. Doch der Einsatz ist mehr als lohnend!

5. Der Spätregen wird erst fallen, wenn die Gemeindeglieder mit reuigem Herzen darum beten.

Gott möchte, dass wir um den Spätregen bitten:

Sach 10,1 Erbittet euch von dem HERRN Regen zur Zeit des Spätregens! Der HERR ist es, der die Wetterwolken macht, er lässt den Regen regnen, er gibt einem jeden Brot, Kraut auf dem Feld.

Bevor Joel die frohe Zusicherung gibt, dass Gott Früh- und Spätregen sendet (2,23), beschreibt er, was vonseiten des Volkes vorausgehen soll:

Joel 2,12 Doch auch jetzt, spricht der HERR, kehrt um zu mir mit eurem ganzen Herzen und mit Fasten und mit Weinen und mit Klagen!

13 Und zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider und kehrt um zum HERRN, eurem Gott! …

17 Die Priester, die Diener des HERRN, sollen weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen [beten]: HERR, blicke mitleidig auf dein Volk und gib nicht dein Erbteil der Verhöhnung preis, sodass die Nationen über sie spotten! Wozu soll man unter den Völkern sagen: Wo ist ihr Gott?

Ellen White unterstreicht, dass die Gabe des Heiligen Geistes von Reue und dem Gebet des Glaubens abhängt.

1SM 120 Unser himmlischer Vater ist mehr bereit, seinen Heiligen Geist denen zu geben, die ihn bitten, als irdische Eltern ihren Kindern gute Gaben geben. Es ist aber unsere Aufgabe, durch Bekenntnis, Demütigung, Reue und inniges Gebet die Bedingungen zu erfüllen, die Gottes Verheißung des Segens zugrunde liegen. Eine Erweckung kann nur als Antwort auf Gebet erwartet werden.

MYP 133 Nichts fürchtet Satan so sehr, als dass Gottes Volk den Weg freimacht und jedes Hindernis entfernt, sodass der Herr seinen Geist auf eine dahinwelkende Gemeinde und unbußfertige Versammlung ausgießen kann … Böse Menschen und Teufel können Gottes Werk nicht aufhalten oder seine Gegenwart in den Versammlungen seines Volkes verhindern, wenn sie mit gebeugten, zerbrochenen Herzen ihre Sünden bekennen und ablegen und im Glauben seine Verheißungen beanspruchen.

4. Es ist die Ausgießung des Heiligen Geistes im Spätregen, die das Werk auf der Erde zur Reife bringt.

Hos 6,3 So lasst uns ihn erkennen, ja, lasst uns nachjagen der Erkenntnis des HERRN! Sicher wie die Morgenröte ist sein Hervortreten. Er kommt wie der Regen zu uns, wie der Spätregen, der die Erde benetzt.

Jak 5,7 Habt nun Geduld, Brüder, bis zur Ankunft des Herrn! Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde und hat Geduld ihretwegen, bis sie den Früh- und Spätregen empfange.

Christus, der himmlische Bauer, wartet auf die „Frucht der Gerechtigkeit“ in den Gläubigen, und um sie zur Reife zu bringen, sendet er Regen – ein Bild für den Heiligen Geist. Wie der Frühregen ein Bild für die besondere Ausgießung des Geistes zu Pfingsten war, so ist der Spätregen ein Bild für die besondere Geistesfülle, die Gott seinem Volk gegen Ende der Weltgeschichte schenken wird. Früh- und Spätregen sind beide notwendig, sowohl für jeden persönlich als auch für den Erlösungsplan als Ganzes.

TM 506 Der Spätregen bringt die Ernte der Erde zur Reife. Er steht für die geistliche Gnade, die die Gemeinde auf das Kommen des Menschensohnes vorbereitet. Doch wenn nicht zuvor der Frühregen fällt, entsteht kein Leben; der grüne Halm sprießt nicht auf. Nur wenn der erste Regen sein Werk getan hat, kann der Spätregen den Samen auch zur Vollendung bringen.